Ist das normal? Blasenschwäche nach der Geburt: Was ihr dagegen tun könnt

Inhalt
  1. Wie lange hält die Inkontinenz nach der Geburt an? 
  2. Was kann ich gegen die Blasenschwäche tun?
  3. Welche Übungen sind besonders effektiv?
  4. So kannst du deine Blase zusätzlich trainieren

Rund ein Drittel der Frauen haben im ersten Jahr nach der Geburt Probleme mit einer Blasenschwäche. Wir erklären, wie es dazu kommt und was du dagegen tun kannst.

Nach der Geburt leiden viele Frauen unter Blasenschwäche, denn Gewebe und die Muskeln, die den Uterus, den Darm und die Blase stützen, werden während der Schwangerschaft gedehnt. Das liegt zum einen an den Hormonen und zum anderen an dem zunehmenden Gewicht des Babys. Während der Geburt werden die Beckenbodenmuskeln extrem gedehnt, was die Muskulatur zusätzlich schwächt.

Vor allem Frauen, die an einem eh schon schwachen Beckenboden leiden, haben nach der Geburt Probleme mit der sogenannten Stressinkontinenz. Dabei kann es passieren, dass man beim Niesen, Lachen, Husten oder beim Sport unkontrolliert Harn verliert.

Wie lange hält die Inkontinenz nach der Geburt an?

Das ist bei jeder Frau verschieden. Manche Frauen sind gar nicht betroffen, bei anderen dauert die Blasenschwäche nur ein paar Tage an und wieder bei anderen Frauen kann die Inkontinenz Monate andauern. Wenn spätestens nach dem Rückbildungskurs, in dem mit speziellen Übungen der Beckenboden trainiert und wieder gestärkt wird, noch keine Besserung aufgetreten ist, solltest du einen Termin bei deinem Frauenarzt vereinbaren.

Was kann ich gegen die Blasenschwäche tun?

Bei einer vaginalen Geburt kann man nach 6 Wochen einen Rückbildungskurs beginnen, bei einem Kaiserschnitt kann nach 8 bis 10 Wochen begonnen werden. Übrigens: Jede Frau hat ein Recht auf einen Rückbildungskurs. Sie werden in der Regel von der Krankenkasse bezahlt.

Reicht das nicht, kann deine Frauenärztin dir zusätzliche Stunden bei einem Physiotherapeuten verschreiben. Studien belegen, dass der beste Weg wieder Kontrolle über die Blase zu erlangen, regelmäßige Beckenbodenübungen sind. Um dauerhaft etwas erreichen zu können, sind also Regelmäßigkeit und Ausdauer gefragt.

Welche Übungen sind besonders effektiv?

Zu Beginn des Rückbildungskurses wird zuerst die seitliche Bauchmuskulatur trainiert. Denn für das Training der geraden Bauchmuskeln muss sich eine eventuelle Rektusdiastase, der Spalt zwischen den queren Bauchmuskelsträngen, geschlossen bzw. stark zurück gebildet haben. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sich der Spalt wieder öffnet. Wie weit der Spalt noch offen ist, checkt vor jedem Kurs die Hebamme oder die Frauenärztin.

Am effektivsten sind die Sit-ups: Einfach auf den Rücken legen, die Beine aufstellen, die Knie anwinkeln, die Finger rechts und links an die Schläfen legen. Dann Schultern und Oberkörper nach oben ziehen, dabei mit dem rechten Ellenbogen zum linken Knie zeigen und dann andersrum mit dem linken Ellenbogen zum linken Knie zeigen. Beim Hochkommen solltest du ausatmen und den Beckenboden anspannen, beim Tiefgehen einatmen und den Beckenboden entspannen.

Je nach Fitness-Stand solltet ihr jeweils drei Sätze pro Seite an mit je 10 Wiederholungen durchführen und zwischen den Sätzen wird eine kurze Pause einlegen. Versucht Kopf und Nacken zu entspannen, die Kraft sollte allein aus der Körpermitte kommen.

Aber Achtung: Überanstrengt euch nicht! Nehmt euch lieber Zeit für die Übungen und führt sie langsam und sorgfältig durch. Achtet auf eine genaue Ausführung und die entsprechende Atmung. Ruckartige Bewegungen solltet ihr unbedingt vermeiden.

So kannst du deine Blase zusätzlich trainieren

Neben dem Beckenboden kannst du auch gezielt deine Blase trainieren. Im letzten Drittel der Schwangerschaft wurde die Blase durch den wachsenenden Babybauch gequetscht. Dadurch war in der Blase weniger Platz für Harn und du musstest viel öfter auf die Toilette. Nach der Geburt hat deine Blase zwar wieder ausreichend Platz, sie muss aber erst wieder daran gewöhnt werden, dass sie mehr Harn aufnehmen kann.

Geh regelmäßig auf die Toilette, aber versuch, dem ersten Harndrang zu wiederstehen. Am Anfang funktioniert das vielleicht nur ein paar Minuten. Aber mit der Zeit lernt deine Blase sich wieder vollständig zu füllen, bis sie geleert werden muss. Und durch das Zurückhalten wird zusätzlich die Beckenbodenmuskulatur gestärkt.

Sollten alle Übungen nicht helfen, solltest du mit deiner Frauenärztin sprechen. Denn Stressinkontinenz kann behandelt werden. Sie gehört nicht zur Mutterschaft und muss nicht erduldet werden.

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